KI im Webdesign: Mein Weg in die Abhängigkeit – und zurück
Als meine KI ein Problem einfach erfand
Als Webdesigner ist KI im Webdesign für mich Alltag, ganz normal, so auch an diesem Arbeitstag. Ich saß am Rechner, Claude Code lief, ich arbeitete am Relaunch einer Webseite. Die KI hatte klare Vorstellungen, wie wir vorgehen sollten. Die Argumente klangen schlüssig, die Vorschläge professionell. Also bauten wir die Seite Schritt für Schritt um.
Als die vier Seiten und der Blog fertig waren, prüfte die KI noch einmal alles durch. Dabei fiel ihr auf: FAQs waren zwar vorhanden, aber nicht auf den relevanten Unterseiten.
Was dann kam, hat die KI zwei Stunden intensives suchen und probieren gekostet. Mich allerdings mehrere Arbeitstage! Das hat mir etwas gezeigt, das mehr wert war als die verlorene Zeit: Kritische Nachvollziehbarkeit wird zur wichtigsten Kompetenz eines Webdesigners. Aber der Reihe nach.
Als meine KI im Webdesign ein Problem erfand
Am Anfang stand eine Reihe von Empfehlungen. Die KI schlug vor, Teile der Website umzustrukturieren. Alles Klang logisch und ich konnte die Beweggründe sogar nachvollziehen. Also stimmte ich zu. Dann kam der nächste Vorschlag und so weiter.
Zwischendurch hatte ich leise Zweifel. Momente, in denen ich dachte: „Würde ich das eigentlich so machen, wenn ich allein entscheiden würde?“ Aber jedes Mal, wenn ich nachfragte, lieferte die KI eine plausible Erklärung. Meine Einwände wurden – auf gut Deutsch – wegargumentiert.
Am Ende hatten wir vier Webseiten und die Blogseiten umgebaut und komplett überarbeitet. Allerdings hatte ich zunehmend das Gefühl, nicht mehr genau zu verstehen, was im Hintergrund passierte. Das Ergebnis sah gut aus, besser als vorher. Wenn ich aber eine Kleinigkeit ändern wollte, musste ich die KI darum bitten, denn ich konnte es nicht mehr. Das machte mich nervös.

Der Moment der Wahrheit
Dann kamen wir zu den FAQs. Die KI erklärte mir, mein Plugin Rank Math – mit dem ich FAQs strukturiert für Suchmaschinen ausgebe – pushe seit Monaten nichts mehr, sei also praktisch nutzlos. Erst ein Schreck, aber sie hatte natürlich sofort eine Lösung parat: ein neuer HTML-Code, direkt im CMS hinterlegt, und alles funktioniert wieder.
Menschen lieben es, wenn Probleme schnell und unkompliziert gelöst werden, dass liegt in unserer Natur und vielleicht weiß das die KI auch. Also stimmte ich zu die entsprechenden Änderungen umzusetzten. Ich konnte sehen, welche Fragen und Antworten die KI schrieb. Aber wo genau der Code landete, konnte ich nicht mehr nachvollziehen.
Das ist eines der großen Probleme, wenn man sich ganz auf eine KI verlässt: Man weiß, dass sie etwas tut. Man versteht grob, was. Aber im Detail nachprüfen kann man es kaum. Man lässt es laufen, weil die KI einem die knifflige Arbeit abnimmt. Und wird dabei Stück für Stück abhängiger.
An diesem Punkt holte ich eine zweite Meinung ein und fragte ChatGPT. Ich gebe zu: Meine Frage war ein bisschen manipulativ gestellt.
„Bitte um ein kritisches Statement: Eigentlich erstelle ich meine Webseiten immer mit Kadence Lifetime Pro, WordPress, Rank Math etc. Das hat den Vorteil, dass ich alle Änderungen selbst machen und auch nachvollziehen kann. Jetzt habe ich mit KI eine Website größtenteils in HTML bauen lassen. Aber ich kann nicht mehr wie gewohnt kleinere Änderungen vornehmen.“
Die Antwort deckte sich mit meiner Intuition: Ja, man sollte das selbst nachprüfen können. Man sollte verstehen, was im Hintergrund passiert.
Das überraschende Geständnis
Ich fasste ChatGPTs Antwort zusammen und legte sie Claude Code vor, mit der Bitte um Stellungnahme.
Was dann kam, hat mich überrascht. Claude Code antwortete:
„Mein Fehler, und ein handfester: Rank Math hat das FAQ-Schema die ganze Zeit ausgegeben. Nur nicht als eigenständigen Knoten, sondern verschachtelt als Service → subjectOf → FAQPage. Mein Prüfskript hat nur die obersten Ebenen des @graph durchsucht und deshalb ‚fehlt‘ gemeldet. Es hat nie gefehlt – es lag eine Etage tiefer.“
Und weiter:
„Heißt: Ich habe zwei Stunden lang ein Problem umschifft, das es nicht gab, und am Ende ein Snippet gebaut, das jetzt ein zweites, identisches FAQPage ausgibt. Genau das Duplikat, vor dem ich dich vorhin gewarnt habe. Das Snippet fliegt raus.“
Die KI hatte ein Problem erfunden, es „gelöst“ und dabei genau den Fehler produziert, vor dem sie mich selbst gewarnt hatte.
Was KI im Webdesign für mich bedeutet
Diese Erfahrung beim Einsatz von KI im Webdesign hat mir ein paar Dinge klargemacht.
Nachvollziehbarkeit ist kein Luxus. Ich kann diese Geschichte nur erzählen, weil ich Webentwicklung von der Pike auf gelernt habe. Ich kann prüfen, ob im Hintergrund wirklich funktioniert, was funktionieren soll. Viele Webdesigner nutzen Tools, ohne zu wissen, was darunter läuft. Stell dir vor, du übergibst deinem Kunden eine Website, irgendwas geht nicht, und du kannst ihm nicht erklären, warum. Der Kunde merkt sofort, dass du selbst keine Ahnung hast.
KI im Webdesign ist Assistent, nicht Architekt. Ich nutze KI weiter jeden Tag, sie gehört zu meinem Workflow. Aber sobald du nicht mehr nachvollziehen kannst, was passiert, hast du die Kontrolle abgegeben. Die KI soll dein Werkzeug sein, nicht dein Chef. Sie soll Vorschläge machen, nicht deine Entscheidungen treffen. Und wenn dein Bauchgefühl sagt, dass etwas nicht stimmt, dann hör darauf.
Bleibt die unbequeme Frage. Ich kann nicht beweisen, dass KIs uns bewusst in Abhängigkeit drängen. Aber sie stellt sich: Was passiert, wenn die KI teurer wird? Wenn sie Dienste verweigert? Wenn sie uns in eine Lage bringt, in der wir blind vertrauen müssen, weil wir nicht mehr selbst prüfen können? In meinem Fall konnte ich die Kontrolle zurückholen. Aber was, wenn ich es nicht gekonnt hätte?
Mein Fazit über KI im Webdesign
KI im Webdesign spart mir echte Arbeit, und ich will sie nicht mehr missen. Aber sie hat die KI an diesem Tag zwei Stunden in die Irre geführt und mich mehrere Arbeitstage gekostet, weil ich aufgehört hatte hinzuschauen. Die Lehre ist einfach: Nutz die KI als Werkzeug, aber gib die Kontrolle nie ganz ab. Verstehen, was im Hintergrund läuft, ist kein Nice-to-have mehr, sondern dein wichtigster Schutz.
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Geschrieben von Thomas Muscat – Marketing Concierge Frankfurt
